RÄUBERGESCHICHTEN

Der Mann auf der Strasse, die Kioskfrau, der Bankangestellte, der Filialleiter des Supermarkts, sie alle haben eine Gemeinsamkeit. Das Risiko, überfallen zu werden, betrifft jeden.
 Raubüberfälle gehören in unserer Gesellschaft leider zum Alltag. Sie passieren gemäss der Kriminalstatistik vom Fedpol alle 4 Stunden irgendwo in der Schweiz.
Und doch ist es für die Betroffenen jedes Mal eine Ausnahmesituation. 

Was passiert bei einem Überfall?


Ein Überfall findet für die betroffenen Menschen immer total überraschend statt. Der Täter hingegen rekognosziert einen Tatort in der Regel immer mehrfach. Ein gezielter Raubüberfall auf eine Geschäftsstelle dauert im besten Fall “nur“ 90 bis 120 Sekunden. Man könnte meinen, dass dies, so schnell wie es überstanden ist, keine nennenswerten Spuren an den betroffenen Personen hinterlässt. Leider ist oft genau das Gegenteil der Fall. Das Geschehene holt den Mensch in der Regel erst danach richtig ein. Ungeschulte Menschen können während oder nach dem Überfall in eine regelrechte Schockstarre verfallen. Angst oder Panik vor einem erneuten Überfall können das Weiterarbeiten oft für Tage oder Wochen unmöglich machen. Für den Betroffenen funktioniert das Leben plötzlich nicht mehr wie vorher. 

 

Wie funktionieren Menschen, die überfallen werden, wenn Sie nicht geschult sind?


Ungeschulte Menschen reagieren in aller Regel nach ihrem ureigenen Stressmuster. ANGRIFF, RÜCKZUG oder BLOCKADE. Leider ist keines der verfügbaren Stressmuster wirklich adäquat für den Umgang mit einem Raubüberfall. Und erst recht nicht ist es möglich, ein der Situation “angemessenes“ Stressmuster auszuwählen – denn das Stressmuster ist individuell immer gleich und kann weder zeitlich noch inhaltlich gesteuert werden.

Wenn das Stressmuster so stark verinnerlicht ist – wie kann dann eine Schulung dies in einem Tag verändern?

In der Schulung erarbeiten wir uns ein geeignetes Mindset in der Theorie, welche für unseren Kopf sehr wichtig ist. Danach erlernen und üben wir, dieses Mindset in unsere gesamte Körperhaltung, unsere Bewegungen und unsere Kommunikation zu übersetzen. Letztlich kommen wir zu dem Punkt, wo wir bereit sind für einen Überfall, den wir im Rollenspiel eins zu eins durchspielen. Durch die intuitive Körperhaltung und Kommunikation und den schrittweisen Aufbau ist es uns möglich, damit eine Stressimpfung zu vermitteln. Wir werden befähigt, im Ausnahmezustand handlungsfähig zu bleiben und können unsere neue Strategie, auf einen Überfall und dem damit verbundenen Stress geeignet und souverän reagieren. 

Ist dieser Effekt auf einen ‚echten’ Überfall übertragbar? Und wie lange hält der Effekt an?

Unser Gehirn unterscheidet nicht, ob Erlebtes echt oder gefakt ist. Unser Gehirn speichert einfach ab: Wenn A, dann Reaktion B – weil diese nun eingeübt und verankert ist. 

Aus Erfahrung reagierten geschulte Personen im entscheidenen Moment, auch wenn dieser nach wie vor unerwartet kommt, souveräner und verarbeiten die erlebte Situation einfacher. 

Die erfreulichste Rückmeldung, welche ich je erhalten habe, war von einer Frau, welche rund eineinhalb Jahre nach unserer Schulung überfallen wurde. Sie sagte “Der Räuber war im wirklichen Leben viel netter als derjenige im Training.„Obwohl die Situation für die Frau stressig war und ihr Puls hochging, blieb sie sicher in ihrer Handlungsweise und konnte so den Tatablauf massgeblich mitsteuern, womit der Überfall so sicher und rasch wie möglich abgelaufen ist. Und trotz des Schrecks, den sie an diesem Tag erlitten hatte, war sie bereits am nächsten Tag wieder für ihren Arbeitgeber am Schalter im Einsatz.